Analysen

VinFast und der vietnamesische Automarkt: Dynamisch, elektrisch und hoch besteuert.

Wie die vietnamesische Automarke die Elektromobilität vorantreibt.

Da ich aktuell einige Wochen in Vietnam verbringe, habe ich mir den vietnamesischen Fahrzeugmarkt ein bisschen genauer angeschaut. Schon in den ersten Tagen in Hanoi sind mir ein paar Dinge aufgefallen, die mich neugierig gemacht haben. Zudem gibt es mit VinFast einen einheimischen Hersteller, der auch in anderen Teilen der Welt Fuß fassen möchte – auch in Deutschland.

Dynamisches Wachstum

Südostasien ist eine wirtschaftlich hochdynamische Region, und Vietnam bildet da keine Ausnahme:

  • Das Bruttoinlandsprodukt ist 2024 um 7,09 % gewachsen.
  • Der Fahrzeugmarkt ist um 12,6 % auf etwa 500.000 Einheiten gewachsen.
  • Mit VinFast hat sich ein einheimischer Hersteller an die Spitze der Verkäufe gesetzt und dabei Toyota und Hyundai auf die Plätze zwei und drei verdrängt.
  • VinFast hat etwa 87.000 Verkäufe gemeldet, was einem Marktanteil von 17,4 % entspricht.
  • Die Fahrzeugindustrie ist ein wichtiger Wirtschaftszweig und zahlreiche große Hersteller produzieren infolge hoher Importzölle mittels lokaler Joint Ventures in eigenen Werken vor Ort für den vietnamesischen Markt.
Rolle in Hanoi Vietnam
Noch klar in der Überzahl: Roller dominieren den Straßenverkehr Hanois, allerdings müssen sie sich die Straßen vermehrt mit Pkw teilen. Etwa 500.000 Neuwagen wurden in 2024 in Vietnam verkauft. Bild: © Frederik Monnet

VinFast beschleunigt die Elektromobilität

Beim Spaziergang durch die Straßen Hanois habe ich in über zehn Tagen nicht eine einzige Ladesäule gesehen. Trotzdem fährt fast die gesamte Taxiflotte rein elektrisch. Und nicht nur die türkis-grünen Taxis sind von VinFast, sondern auch das sonstige Straßenbild wird von der breiten Modellpalette mit sechs rein elektrischen Pkw bestimmt.

Nach eigenen Angaben, betreibt VinFast ein Ladenetz mit 3.000 Ladestationen und 150.000 Ladepunkten für E-Autos und E-Scooter. Damit ist auch klar, dass hier eher große Ladeparks existieren und eine flächendeckende Versorgung mit Ladesäulen aktuell noch nicht gegeben ist. Trotzdem eine sehr beeindruckende Bilanz für die Elektromobilität. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es etwa 161.000 Ladepunkte (Normal- und Schnelllader).

VinFast hat bis vor Kurzem auch noch Verbrenner gebaut und dabei auf Modelle oder Plattformen von General Motors und der BMW zurückgegriffen. Seit etwa 2023 produziert man allerdings nur noch batterieelektrische Fahrzeuge. Die 87.000 VinFast-Verkäufe im letzten Jahr bedeuten also, dass mindestens 17,4 % der vietnamesischen Neuzulassungen auf Elektroautos entfallen sind. In Deutschland waren es letztes Jahr gerade mal 13,5 %.

Chinesische Hersteller sind in Vietnam auch vertreten, fristen hier aber (noch) ein Nischendasein. Der Markt gehört neben VinFast vorerst den großen Playern aus Japan und Korea. Fun Fact: Mercedes-Benz hat als einziger deutscher Hersteller ein Werk in Vietnam (Ho-Chi-Minh-Stadt) und produziert dort zwischen 6.000 und 7.000 Fahrzeugen jährlich für den lokalen Markt.

Hohe Steuern für Verbrenner

Der Autokauf in Vietnam ist ein kostspieliges Vergnügen. Zwar liegt die Mehrwertsteuer bei eher niedrigen 10 %, allerdings fallen Kraftfahrzeuge unter die Special Consumption Tax (SCT), die Luxusgüter mit einer hohen Zusatzsteuer belegt.

Hier ein paar Beispiele:

  • Für einen Verbrenner-Pkw mit 1,5 Litern Hubraum werden 35 % SCT fällig.
  • Bis 2,0 Liter sind es 40 %, und so geht es weiter bis maximal 150 % bei Pkw mit über 6,0 Litern Hubraum.
  • Für Elektroautos werden hingegen nur 3 % SCT aufgeschlagen, sodass man hier von einer klaren Unterstützung der Elektromobilität sprechen kann.
  • Bier und Spielkarten werden übrigens mit 65 % beziehungsweise 40 % SCT belegt.

Der Effekt der SCT auf Fahrzeugpreise zeigt sich am Beispiel der Mercedes S-Klasse, die in Vietnam als S 450 4MATIC umgerechnet etwa 182.250 Euro kostet und damit fast 45.000 Euro über dem Listenpreis in Deutschland liegt.

Hier haben die Elektromodelle von VinFast einen klaren Vorteil und liegen preislich, auch aufgrund der niedrigeren SCT, teilweise deutlich unter der Verbrenner-Konkurrenz. Das etwas skurril dimensionierte Modell VF3, das auf dem Titelbild zu sehen ist, gibt es ab etwa 11.000 Euro. Dafür bekommt man 200 km Reichweite und Platz für vier. Das Flaggschiff der Marke, der über fünf Meter lange siebensitzige SUV mit dem Namen VF9, kostet etwa 56.000 Euro.

Das ist immer noch extrem viel für ein Land, in dem der durchschnittliche Monatslohn bei 300 Euro liegt.

VinFast Modellpalette in Vietnam 2025
Die Modellpalette besteht überwiegend aus Hatchbacks und SUVs und ist 100 % vollelektrisch. Die Preise reichen von umgerechnet 11.000 Euro bis 56.000 Euro.
Bild: © VinFast

Zusammenfassung

Mit 100 Millionen Einwohnern, einer starken Exportindustrie und dynamischem Wachstum ist Vietnam auch in Zukunft ein spannender Pkw-Markt, besonders weil mit VinFast ein heimischer Hersteller mit Expansionswillen existiert.

Bisher ist Vietnam der mit großem Abstand wichtigste Markt von VinFast. Fast neun von zehn Fahrzeugen verkauft der Konzern in der Heimat – da ist also noch ziemlich viel Luft nach oben. In Deutschland waren es 2024 lediglich 175 Neuzulassungen. Der Fokus für das angestrebte Wachstum liegt laut Berichten allerdings auch nicht in Europa oder Nordamerika, sondern in Indien und Indonesien.

2 Gedanken zu „VinFast und der vietnamesische Automarkt: Dynamisch, elektrisch und hoch besteuert.

  • Patrick Monnet

    gutes beispiel wie man es macht

    Antwort
  • Man darf gespannt sein, wie es in den nächsten Jahren weitergeht in Vietnam. Auf jeden Fall ein spannender Markt und VinFast scheint hier sehr viel richtigzumachen, wenn die großen etablierten Platzhirsche aus Asien, wie Toyota und Hyundai in den Verkaufszahlen auf Platz zwei/drei verdrängt worden sind.

    Antwort

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